Innovative Ausstattungen und Aktivitäten in Schleswig-Holstein und Ansätze einer clusterorientierten Innovationspolitik

Untersuchung des Instituts für Regionalforschung, Universität Kiel, im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein

Projektleitung: 
Prof. Dr. Johannes Bröcker

Bearbeitung: 
Dr. Hayo Herrmann, Mitarbeit von Kerstin Krey

 

Vor dem Hintergrund der im Zeitraum 2000-2005 anhaltenden Wachstumsschwäche in Deutschland, die sich in stagnierendem Bruttoinlandsprodukt und sinkender Beschäftigung ausdrückt, haben sich auch in Schleswig-Holstein Wirtschaft und Arbeitsmarkt unbefriedigend entwickelt. Verschiedene strukturelle, teilweise auch wirtschaftshistorische Faktoren haben das Land dabei in besonderer Weise belastet, so dass die Entwicklungszahlen beim Inlandsprodukt, vor allem aber bei der Beschäftigung in dieser Zeit hinter den westdeutschen Zahlen zurückgeblieben sind.

 

Viele der strukturellen Probleme der schleswig-holsteinischen Wirtschaft sind bekannt:

  • Dezentrale Lage gegenüber den traditionellen Wirtschaftszentren der EU
  • Relativ starke Bedeutung einiger wachstumsschwacher bzw. auf Binnennachfrage orientierter Wirtschaftszweige
  • Hoher Anteil kleiner und mittlerer, kapitalschwacher Unternehmen mit begrenzten Möglichkeiten bei FuE-Investitionen und bei der Ausrichtung auf Auslandsmärkte
  • Abhängigkeit vieler Schlüsselbetriebe von externen Konzernzentralen, dagegen nur wenige, im Land verwurzelte "Leitbetriebe"
  • In den Städten des Landes fehlende, von Hamburg übernommene Metropolfunktionen
  • Zu geringe gewerblich-industrielle Dichte in Teilräumen, mit negativen Auswirkungen bei den komplementären Unternehmensdiensten
  • Zu geringe wirtschaftspolitische Gestaltungsspielräume aufgrund der kritischen Lage der Landes- und Kommunalhaushalte.

 

Andererseits lassen sich auch Stärken des Landes in die Waagschale werfen:
  • Modernisierung betrieblicher Strukturen durch hohe Neugründungsraten,positive Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen
  • Verbesserte Kooperation mit Hamburg: zunehmendes Verständnis für Schleswig-Holstein als Teil eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes
  • Ausbau etablierter/Ansätze neuer technologischer Nischen mit positiven Perspektiven
  • Nähe zu wachsenden Märkten in Nordosteuropa
  • quantitative und qualitative Reserven bei "harten" Produktionsfaktoren (Grundstücke, Arbeit), die sich aber nur bei hoher Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft positiv auswirken.

 

Das Gutachten stellte sich die Aufgabe, Schwachstellen und Stärken Schleswig-Holsteins und Hamburgs im regionalen Innovationswettbewerb empirisch zu analysieren und mit Strategien regionaler Innovationspolitik des Landes zu konfrontieren. Die Arbeiten konzentrierten sich auf Stärken und Schwächen im Bereich betrieblicher und öffentlicher Forschung und Innovation, vom Personal- und Ressourceneinsatz über innovationsorientierte Gründungen bis zu Patentanmeldungen und ökonomischen Erfolgsindikatoren (Entwicklung neuer Produkte, Produktivität, Auslandsorientierung). Sie schlagen die Brücke zur Strategie "Region mit klarem Profil", in der auf eine technologische und räumliche Konzentration chancenreicher Wachstumsfelder (technologische Cluster) gesetzt wird. Insofern bildeten die empirische Bestandsaufnahme einerseits und eine kritische Diskussion der Clusterförderung andererseits den Rahmen der Studie.

Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der empirischen Arbeiten: Welche Merkmale bestimmen die Position Schleswig-Holsteins und Hamburgs im Innovationswettbewerb, wo bestehen Spezialisierungen, Defizite und Stärken im westdeutschen Vergleich?
Inwieweit sind Defizite oder Stärken "strukturbestimmt", sei es aufgrund der Branchenstruktur oder aufgrund der siedlungsstrukturellen Typisierung der Regionen? Gibt es neben der Wirtschafts- und Raumstruktur weitere (z.B. standortbedingte) Ursachen?
In welchen Technologiesegmenten und an welchen Orten Schleswig-Holsteins bestehen im Land allein oder im Verbund mit Hamburg bereits etablierte Innovationsinseln, wo deuten sich neue Nischen an? Weisen diese "Inseln" bereits Charakteristika regionaler Technologiecluster auf?
Die Clusteridee basiert einerseits auf der Wirkung von Innovationsnetzwerken und andererseits auf der Gunst räumlicher Nähe insbesondere durch Lokalisationsvorteile. Hierzu wird eine kritische Betrachtung von Konzepten der Clusterförderung vorgenommen. Vor diesem Hintergrund können die Voraussetzungen für die Förderung bereits bestehender Cluster und für die unterstützende Begleitung neuer Cluster diskutiert werden.

Die Arbeiten zum Gutachten erfolgten 2005/2006, wesentliche Ergebnisse wurden Mitte 2006 in einer Veranstaltung des Auftraggebers vorgestellt. 

Der Projektbereicht wurde Anfang 2007 als Beitrag an dem Institut für Regionalforschung (Nr. 42) publiziert.

 

Im Projektbericht bzw. im Beitrag Nr. 42 werden die Patentanmeldungen in Schleswig-Holstein/Hamburg auf Basis des Patantatlasses des Deutschen Patent- und Markenamtes aus dem Jahr 2002 (Daten von 1995 bis 2000) analysiert. Ein Kurzbericht mit aktualisierten Befunden aus dem Patentatlas 2006 (Daten von 2000 bis 2005) kann hier im PDF-Format bezogen werden.

 

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